Botanische Wanderung des NABU Rodgau

 

Die vom NABU Rodgau organisierte Wanderung hatte zum Ziel die heimische Flora in unterschiedlichen Biotopen zu erkunden. Im Wald von Niederroden und in der Flur „Im Galgenlangenloh“, suchten 15 Teilnehmer:innen nach Blühpflanzen und deren Besucher, insbesondere Insekten und Käfer.

220710 003 Begrüßung am Don Bosco Heim HansSchwartingBegrüßung Bot. WanderungP1190304 Prof Heinz Hänel KBenedicktProf. Heinz Hänel Klaus Benedickt vom NABU Rodgau hatte einen versierten Zoologen und Botaniker für die Wanderung gewinnen können. Unter der fachlichen Führung von Prof. Heinz Hänel (ehem. Universität Frankfurt am Main) konnten die Teilnehmer:innen erstaunliche Zusammenhänge zwischen Blühpflanzen und ihren Besuchern, vorwiegend Insekten, Spinnen und Käfer erfahren.

 

 

 

P1190329 Im Galgenlangenloh KBenedicktIm GalgenlangenlohAm ersten Wegabschnitt im Wald, in dem überwiegend Kiefern und nordamerikanischen Roteichen stehen, hörten wir den melodischen Ruf des Pirols, der hier sein Brutgebiet hat. Das kleine Springkraut war am Wegrand häufig zu finden, die Pflanzen waren wegen der Trockenheit schon verblüht und am Absterben.

 

 

 

 

 

 

 

 

220710 009 Prof Heinz Hänel HansSchwarting Prof. Heinz HänelProf. Hänel erklärte an einer Hainbuche wie die Buchengallmücke (mikiola fagi) die Blätter des Baumes nutzt um ihren Lebenszyklus her zu stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1190327 Buchengalle KBenedicktJunge Buchengallen1280px BuchengallenBuchengallenP1190327 Buchengalle KBenedicktBuchengalle 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die kleinen, unscheinbaren Mücken erreichen eine Körperlänge von 4–5 mm und sind braunschwarz gefärbt. Auffälliger als die erwachsenen Tiere sind jedoch die zitronenförmigen, 3–12 mm langen, hartwandigen Gallen, in denen die ausgewachsen 4 mm langen, weißen Larven leben. Junglarven sind nur mit der Lupe erkennbar. Die Gallen sind anfangs blassgrün, werden aber später in der Entwicklung gelblich oder auffallend rot.

 

P1190307 Bestimmung mit Lupe KBenedicktBestimmung mit LupeP1190324 Objekt im Blick KBenedicktObjekt im BlickDie Weibchen belegen jüngste Buchenblätter während der Entfaltung mit Eiern. Die Junglarve veranlasst bei der Saugaktivität durch die Absonderung chemischer Stoffe das Buchenblatt dazu, eine Galle zu bilden, in der sie von Nährgewebe (Blattgewebe) lebt. Im Oktober lösen sich die Gallen an einer Bruchstelle von den Blättern, fallen zu Boden und überwintern dort in der Bodenstreu. Anfang März verpuppen sich die Larven schließlich und schlüpfen nach 2–3 Wochen als erwachsene Mücken.

Jede Gallmücke oder -wespe sucht ihre eigene Baum- oder Strauchart auf. Bekannt ist dahingehend auch die Galle der Heckenrosen, die kugelrund, einen
Durchmesser von ca 2 cm erreichen kann.

 

 

 

 

P1190319 Blattpilz KBenedicktBlattpilzP1180902 Fraßgänge von Larven KBenedicktFraßgänge von LarvenAndere Larvenarten, also keine gallenbildende Arten, ernähren sich von den Säften in den Blattschichten und bilden durch den Fraß schlangenliniengleiche Fraßgänge. Diese trocknen dann aus und sind als fahlbraune Fraßgänge äußerlich sichtbar.Auch andere, von Parasiten wie Pilzen erzeugte beulenartige Auswölbungen, waren an Blättern zu sehen.

 

 

 

 

 

P1190340 Im Biotop KBenedicktIm BiotopP1190336 Der Fang im casher KBenedicktDer Fang im CasherAm nördlichen Waldrand erkundeten die Gruppe auf einer Brachfläche den Insektenbestand. Mit Insektencasher, Lupe und Bestimmungsglas wurden verschiedene
Insektenarten an ihren Nektarpflanzen bestimmt.

 

 

 

 

 

 

 

P1190391 Blüte der Gewöhn Königskerze verbascum phlomoides KBenedicktBlüte der KönigskerzeP1190394 Weiße Lichtnelke silene latifolia KBenedicktWeiße LichtnelkeP1190386 Färber Hundskamille cota tinctoria KBenedicktFärber-Hundskamille, cota tinctoria

 

 

 

 

 

 

 

 

 


P1190376 Wilde Möhre daucus carota KBenedicktWilde Möhre, daucus carotaHier blühen u.a. Königskerze, weiße Lichtnelke, Färber-Hundskamille,
Wiesen-Flockenblume und die Wilde Möhre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das trockene Wetter war von Vorteil, es herrschte reger Flugverkehr, sodaß etliche ansehnliche Exemplare ins Netz gingen, u.a. Schildwanzen, verschiedene Schwebfliegen, Schmetterlinge wie der kleine Vogelwicke-Bläuling oder der farbig auffällige Ampfer-Purpur-Spanner.

P1190366 Vogelwicke Bläuling polyommatus amandus KBenedicktVogelwicke Bläuling, polyommatus amandus220710 046.1 Ampfer Purpurspanner lythria cruentaria HansSchwarting Ampfer-Purpurspanner, Lythria cruentaria220710 035 Spinne verpackt Ampfer Purpurspanner lythria cruentaria HansSchwartingSpinne verpackt Ampfer-Purpurspanner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die beiden Schmetterlingsarten kamen häufig vor und waren sehr aktiv auf der Fläche unterwegs. Ein Exemplar ging einer Spinne gerade ins Netz und wurde
eingewickelt.

P1190354 Eichblatt Radspinne aculepeira ceropegia KBenedicktEichblatt-Radspinne, aculepeira ceropegiaEine imposante Spinne, die Eichblatt-Radspinne, eine echte Radspinne, mit eichblattartiger weißer Rückenzeichnung wurde bestaunt. Sie ist in Deutschland weit verbreitet.

 

 

 

 

 

 

 

 

P1190383 Wilde Möhre daucus carota Siebenfleck Marienkäfer coccinella septempunctata KBenedicktWilde Möhre & Siebenfleck Marienkäfer An einer Dolde der Wilden Möhre (daucus carota) hatte sich ein Siebenfleck-Marienkäfer (coccinella septempunctata) eingefunden. Er gehört zu der am häufigsten vertretenen Marienkäferart.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

347 Veränderliche Krabbenspinne misumena vatia bemig Veränderliche KrabbenspinneEine kleine gelbe Spinne, die Veränderliche Krabbenspinne, hatte eine Gelbrand-Schwebfliege (xanthogramma pedissecuum) gefangen und war dabei diese zu verzehren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Beute von misumena vatia besteht aus blütenbesuchenden Insekten aller Art. Die Spinnenweibchen sind in der Lage ihre Körperfarbe der der Blüte an zu passen. In der Botanik nennt man das Mymikri. Es verschafft dem Räuber einen Vorteil beim Beutefang.

 

16 Gemeiner Bienenkäfer trichodes apiarius bemigGemeiner Bienenkäfer, Trichodes apiarius220710 019 Larve Purpur Fruchtwanze carpocoris purpureipennis HansSchwartingLarve_Purpur-Fruchtwanze, Carpocoris purpureipennis220710 026 Grünes Heupferd tettigonia viridissima HansSchwartingGrünes Heupferd

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein grünes Heupferd (tettigonia viridissima), eine Flügelschrecke, war das größte gesichtete Insekten-Exemplar. Weibchen können bis zu 4,5 cm lang werden. Die Männchen sind etwas kleiner. Immer wieder finden sich Einzelexemplare auch in Gärten ein.

 

P1190351 1 Goldschrecke chrysochraon dispar männl KBenedicktGoldschreckeDie große Goldschrecke (chrysochraon dispar), eine Kurzfühlerschrecke, zeigte sich in rötlichem Beinkleid. Sie bevorzugt vegetationsarme, sandige Bodenstellen. Fundstellen sind deshalb Trockenrasen sowie Binnendünen, also typische Biotope unserer Region. Die Insekten weisen einen auffälligen Geschlechtsmorphismus auf. Die männlichen Tiere haben an den Hinterschenkeln und den Hinterschienen eine weinrote Färbung. Die weiblichen Tiere sind deutlich größer und braungrau gefärbt.

 

 

 

 

 

 

P1190379 Gras Kernpilz epichloe typhina KBenedicktGras-KernpilzEine auffällig orange-gelbe Verfärbung wurde an einem Grashalm bemerkt. Es handelt sich um den Gras-Kernpilz (epichloe typhina). Mehrere Arten sehen ähnlich aus, unterscheiden sich aber vor allem im Wirt. Während epichloe typhina vor allem auf Gewöhnlichem Knäuelgras vorkommt, kommt epichloe clarkii auf Wolligem Honiggras vor. An Getreide kommt immer wieder der Gelbrost ((puccinia striiformis) vor, es handelt sich dabei aber um eine andere Pilzart.

 

 

 

 

 

 

Nach ca. zwei Stunden aktiver Beteiligung waren die Teilnehmer:innen von den vielen Sichtungen überwältigt. Heinz Hänel konnte mit dem Interesse an seinen fachlichen Erklärungen zufrieden sein. Auf sehr anschauliche Weise konnte er den Zusammenhang von Botanik und Zoologie vermitteln. So erlebnisreich kann „naturgucken“ sein.

Alle gefangenen Insekten wurden selbstverständlich wieder in die Freiheit entlassen; kein Tier kam zu Schaden.

Der NABU Rodgau freut sich darauf, die Wanderung in die heimische Botanik nächstesJahr wieder anbieten zu können.

 

Quelle:
Fotos: K.Benedickt, B.Emig; H.Schwarting
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