Chronik des NABU Rodgau - 1975-93 Vorsitzender Wendlin Schüler

Am 15. März 1975 wurde Wendelin Schüler zum Vorsitzenden gewählt.

Er war Vogelexperten und förderte Geselligkeit und Vereinsleben. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme wuchs die Zahl der Vogelschützer auf über 70 an. Hier die wichtigsten Stationen des Vereins stichwortartig in chronologischer Reihenfolge:
1978: Herausgabe der von Edgar Krausch produzierten Broschüre "20 Jahre Vogelschutz in Nieder-Roden"

1980-1981: Mit viel Überzeugungsarbeit konnte die Dudenhöfer Kieskuhle vor dem Zuschütten und Umbau zu einem öffentlichen Grillplatz und Baseballplatz bewahrt werden. Die Ortsgruppe übernahm die Patenschaft und baute sie zu einer Ökozelle aus. Begünstigt durch den Jahrhundertregen 1981 fanden sich kurz darauf Teich- und Bläßhuhn, Steinschmätzer, Grauammer und Turteltaube ein.

Wendlin Schüler
Vorsitzender Wendlin Schüler

1981 - 1985: Der Jahrhundertregen 1981 ließ am Kalksandsteinwerk ein riesiges Feuchtgebiet entstehen, das in kürzester Zeit für Nieder-Röder Verhältnisse völlig neue Vogelarten anzog. Zwerg-, Schwarzhals-, und Haubentaucher sowie die Reiherente zogen dort ihren Nachwuchs auf. Rot- und Grünschenkel, Weiß- und Schwarzstorch, Korn- Wiesen- und Rohrweihe, Eisvogel, Löffel-, Knäck- und Pfeifente, Seidenreiher und Flußuferläufer, Graureiher, Flußregenpfeifer, Fischadler und Kranich wurden als häufige Durchzügler oder regelmäßige Besucher beobachtet. Mit der Tiefentsandung durch die Fa. Rodgauer Baustoffwerke wurde das Areal zum größten Teil trocken gelegt.

1981 - 1987: Der Jahrhundertregen war Ursache für eine weitere Kapriole der Natur. Reste des bereits zugeschütteten Gänsesees füllten sich mit Wasser und zogen in den folgenden Jahren regelmäßig ein Flußregenpfeiferpärchen an.

1982 - 1986: Am 7. Mai 1982 stellte Armin Hönig von der Ortsgruppe Dudenhofen den Antrag, das Lachetal zum Naturschutzgebiet zu erklären. Die Ortsgruppe unterstützte diesen Antrag mit zahlreichen Gutachten und Öffentlichkeitsarbeit. Nachdem dort der äußerst seltene Pillenfarn entdeckt wurde, stand der Feststellung zum Naturschutzgebiet Lache am 13.Oktober 1986 nichts mehr im Wege.

Ansprache zum 25. Jubiläum
Ansprache zum 25. Jubiläum

Im Jahr 1983 feierte der Verein sein 25-jähriges Jubiläum. Er organisierte eine  Ausstellung im Sozialzentrum vom 19. bis 24. April zum Thema: "Vogelschutz - Naturschutz - Umweltschutz", an der sich der BUND, Greenpeace, Förster Manfred Gerhard, Gerhard Wolf und die Buchhandlung Werner beteiligten.

Anlässlich dieses Jubiläums wurde am 13. August die von Ruth genähte Vereinsfahne in der St. Matthias Kirche feierlich geweiht.

Am 20. März 1984 überreichte der damalige Landrat Rebel im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit im Bürgerhaus der Ortsgruppe Nieder-Roden den Umweltschutzpreis des Landkreises Offenbach.

Einsammeln am Krötenzaun
Krötenzaun

1985 - 1993: Nachdem die Auffahrt zur B 45 (neu) fertig gestellt war, stellte die Ortsgruppe fest, dass die Trasse ein Krötenwanderungsgebiet durchschnitt. Deshalb wurde ein Krötenzaun gebaut und die Amphibien umgesiedelt. Bis einschließlich Frühjahr 1993 wurden 9 986 Amphibien, darunter so seltene Arten wie Kreuzkröte, Moor- und Laubfrosch, Kamm- und Bergmolch jeden Morgen mit Eimern geborgen und in anderen Feuchtgebieten ausgesetzt.

In den Jahren 1984 und 1985 gab es eine Massenvermehrung der Forleule, einer Raupenart, die chemisch bekämpft wurde. Dem Gifteisatz fielen auch zahlreiche Vögel zum Opfer, so dass die betreuten Nistkästen über wiegend leer blieben.

Hüttenbau
Hüttenbau

1986 nahm der Verein an den 1200-Jahr Feierlichkeiten der Gemeinde Nieder-Roden teil. Im Dezember 1986 brannte die alte Vogelhütte ab. Deshalb wurde das von der Stadt Rodgau angebotene Gelände am Rollwald bis zum Jahr 1990 zum neuen Vereinsheim ausgebaut.

1988 errichtete die Ortsgruppe 5 Steinbiotopen aus Basalt an der Dudenhöfer Kieskuhle.

1990: Im Frühjahr wurde Hessen von den stärksten Stürmen heimgesucht. "Vivien", "Wiebke" und 5 weitere Orkane richteten zwischen dem 25. Januar und 1. März 1990 erhebliche Schäden in den hessischen Wäldern an. Wegen der Gefahr einer Borkenkäferplage wurden auf Anraten von Förster Gerhard weitere 600 Nistkästen aufgestellt.

Im gleichen Jahr beschließt der Bundesverband die zweite Namensänderung, um den geänderten Aufgaben Rechnung zu tragen. Aus dem "Bund für Vogelschutz (DBV)" wurde der "Naturschutzbund (NABU)".

1966

Vorsitzender Werner Schmidt

1966 wurde Werner Schmidt zum neuen Vorsitzenden gewählt. Es ist die Zeit der massivsten Eingriffe in die Natur der Nieder-Röder Gemarkung. Die Feuchtbiotope Gänsesee, Molchegräbchen und der Mannsee wurden zugeschüttet, um dort die Hallen der IBM und des Postfrachtzentrums zu errichten. Ziel des Vorsitzenden Werner Schmidt war die Schaffung eines ernst zu nehmenden Vereins durch Gewinnung vieler Mitglieder und fachlich kompetente Arbeit. Am 29. März 1968 wurden Philipp Simon und Wendelin Schüler als fachliche Berater in den Vorstand gewählt. Engelhard Ehresmann wurde zum Ortsvertrauensmann berufen, mit der Aufgabe, eine ständige Kommunikation zwischen Gemeinde und der Ortsgruppe herzustellen. Der Verein hatte um die 40 Mitglieder. Um das zunehmende Umweltbewusstsein zu nutzen und bessere Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, wurde 1973 erstmals mit Irmfried Krausch eine Pressereferentin in den Vorstand berufen. Großen Aufschwung im Vereinsleben gab es durch die Anmietung einer Gartenhütte am Waldrand und die Einführung der bis heute üblichen monatlichen Mitgliederversammlungen. Dort entstanden die Freundschaften, die dem Verein einen über Jahre prägenden, familiären Charakter verliehen. Unter der Führung von Wendelin Schüler wurden jährlich zwei Vogelstimmenwanderungen durchgeführt, die morgens um 4.00 Uhr an der "Bachbrücke" am Dieburger Weg begannen, um den ersten Gesang von Amsel und Rotschwanz zu hören. Neben den jährlichen Winterfütterungen und dem Aufhängen von Nisthilfen wurden regelmäßig Filmabende und Ausstellungen veranstaltet. "Als das wohl größte und erfolgreichste Ereignis seit Bestehen unserer Ortsgruppe" bezeichnete der Vorsitzende Werner Schmidt die Vogel- und Lehrschau vom 7. November 1971 in der Alten Schule und im Schwesternhaus. Die Presse berichtete von 800 bis 900 Besuchern. Den Verlust der wirtschaftlichen Interessen zum Opfer gefallenen Feuchtgebiete versuchten die Naturschützer durch Anlegen von Tümpeln und Teichen im Wald auszugleichen. Mit finanzieller Hilfe des Landes Hessen pachtete der Verein am 24.3.1974 von der damals noch selbstständigen Gemeinde Nieder-Roden ein Wiesengelände neben der Lache an, hob einen Teich aus und baute ihn bis zum Jahr 1985 zum "Vogelsee" aus. Er gehört heute zum Naturschutzgebiet Lache.
1958

Vorsitzender Hans Hermann

Bereits vor Gründung der Ortsgruppe hatte Nieder-Roden einen offiziellen Vogelbeobachter: Philipp Simon. Er beringte Vögel und meldete seine Beobachtungen an die Vogelschutzwarte in Frankfurt weiter und war somit Vorbereiter für einen organisierten Naturschutz. Während des 2.Weitkrieges wurde das Bett der Rodau im Süden Nieder-Rodens zugeschüttet und das Wasser über den kanalisierten und tiefer gelegten Wiesengraben umgeleitet. Die Industrialisierung in den 1950er Jahren machte auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Natur- und Kulturlandschaft dienten als Ressource für den wirtschaftlichen Aufschwung. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, aber vorwiegend aus Freude an der Natur und dem gemeinsamen Naturerlebnis wurde die Ortsgruppe Nieder-Roden im Bund für Vogelschutz (BfV) gegründet. Hans Herrmann, Leonhard Eberhard, Josef Polky, Philipp Simon und Robert Wöhl gründeten am 13. Juni 1958 in der Alten Schule die Ortsgruppe Nieder-Roden. Am 23. Juli 1958 trafen sich 26 Mitgliedern zur ersten Mitgliederversammlung im Lokal "Zum Hessischen Hof" und wählte einen Vorstand. 1.Vorsitzender wurde Hans Hermann, sein Stellvertreter Förster i.R. Gustav Maier, vorläufiger Schriftführer Bürgermeister Johann Weyland und Rechner Josef Polky. Die älteste Liste der "vorhandenen und beobachteten Vogelarten" des NABU datiert vom 10.9.1958. Sie übermittelt uns einen ersten Überblick über die damals heimische Vogelwelt. Nach einigen nachträglichen Ergänzungen dürfte von ca.100 heimischen Vogelarten im Jahr 1958 auszugehen sein. Das älteste Protokoll einer Versammlung datiert vom 7. November 1958 und weist eine Nistkastenkontrolle von 96 Nistkästen in der Gemarkung Nieder-Roden aus. Sie dokumentiert, die frühe Notwendigkeit des Einsatzes von Nistkästen "als Krücken" für fehlende Brutmöglichkeiten.