NABU Winterwanderung „ … über die Dudenhöfer Düne“

Winterwanderung 2020 / Andreas PulweyWinterwanderung 2020 / Andreas Pulwey

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Winterwanderung 2020 / © Andreas Pulwey

Die Winterwanderung des NABU-Rodgau führte am Sonntag, den 05.01.2020, mit einer Länge von ca. 4 km über die „Dudenhöfer Düne“ und angrenzende Flächen. Klaus Benedickt und Josef Lach vom NABU Rodgau informierten 25 interessierte Teilnehmer über die besondere ökologische Bedeutung des Landschaftstyps „offene Binnendüne“. Die Sandfläche ist ein Relikt der nacheiszeitlichen Landschaft in der unteren Mainebene und durch Flugsandablagerungen der letzten 500.000 Jahre entstanden. Sie ist gegenüber weiten Flächen dieser Region noch nahezu ursprünglich erhalten.

Ein in den 80-er Jahren nicht durchgeführtes Bauvorhaben rettete die Dünenlandschaft vor der Zerstörung. Natürliche Sandflächen, insbesondere im Binnenland, sind die am stärksten vom Rückgang durch Flächenversiegelung, land-wirtschaftliche Nutzung und Abbau von Rohstoffen betroffenen Landschaftstypen. In Hessen gibt es noch 32 dieser Gebiete, vorwiegend in der Rhein-Main-Region.

Das Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) Dudenhöfer Düne (östlich der S-Bahnstrecke) ist eines der wenigen Biotope am direkten Siedlungsrand, das dem gesetzlichen Schutz zum Erhalt seiner Artenvielfalt unterliegt. Die europäische Naturschutzrichtlinie bindet die FFH-Gebiete in das Natura 2000-Konzept ein, welches eine Vernetzung von typischen Naturlandschaften zum Ziel hat.

Hier prägen Sandmagerrasen und Sandheide, durchsetzt mit Bauminseln, das Bild der Vegetation. Kleinräumige Streuobstwiesen am nördlichen und südlichen Rand sorgen für ein „noch“ abwechslungsreiches Landschaftsbild. Josef Lach beschrieb die Landschaft zur Zeit vor der Siedlungserweiterung der angrenzenden Ortsteile, die von Kiefernwald, Feuchtwiesen und Ackerland geprägt war. Der nährstoffarme Boden bietet vorwiegend trockenheitsliebenden Pflanzen wie Sandnelke, Silbergras, Sandmohn und Heidekraut den erforderlichen Lebensraum.

Angelockt von den Blühpflanzen, stellen sich in der Vegetationszeit Insekten und Käfer wie Kreiselwespe, Walker, Sanddünenläufer und Stierkäfer ein. Sandnelke und Silbergras sowie die genannten Insekten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (Hessen RL Stufe 3). Artenkenner des NABU-Rodgau konnten interessante Details zu den Flächenbewohnern beitragen. Auf Interesse der Teilnehmer stieß die Pflege der Sandheide- und Sandrasenflächen. Die kürzlich erfolgte Mahd der Fläche war deutlich zu erkennen. Regelmäßige Beweidung nach der Blütezeit durch Schafe sowie Mähen im Herbst, tragen wesentlich zur Erhaltung der offenen Landschaft und der nährstoffarmen Böden bei. Auch maschinelle Arbeit in Form von Gehölzreduktion oder Oberflächenabschabungen können die Sekundärsuczession von nicht standorttypischen Bäumen und Büschen (Traubenkirsche, Robinie, Zitterpappel) verhindern. Düngung und chemischer Pflanzenschutz sind selbstverständlichnicht erlaubt. Trotz der intensiven Siedlungserweiterungen am Rand, dem Ausbau der S-Bahnstrecke sowie der Freizeitfunktion kann der Artenschutz hier erfolgreich betrieben werden.

Winterwanderung 2020 / © Andreas Pulwey

Ein anderes Bild der Dünenlandschaft konnten die Teilnehmer auf der Westseite der S-Bahnstrecke wahrnehmen. Hier ist die Sanddüne von geschlossenem Baumbestand und Waldwiesen geprägt. Allerdings erfährt man in diesem Bereich das Relief der Düne intensiver; beim Gang durch den Wald konnten die größeren Höhenunterschiede wahrgenommen werden. Kleine Flächen von rotem Heidekraut breiten sich am Waldrand aus. Einige angrenzende Brachflächen sind noch vollständig vom abgestorbenen Kraut der kanadischen Goldrute, Königskerze und wilder Malve bestanden. Hier kamen insbesondere Fragen zur Förderung der Insektenvielfalt auf. Ein anwesender Imker plädierte für das Anlegen weiterer Blühflächen. Hingewiesen wurde aber auch auf die Möglichkeit, dass jeder Gartenbesitzer etwas für den Insektenschutz tun kann, sei es durch die teilweise Umgestaltung des Gartens in eine naturnahe Fläche.Das Thema konnte, erwartungsgemäß, nicht erschöpfend diskutiert werden.

Deutlich wurde die rege Begehung des Arelas durch Hundebesitzer, die die am Westrand ausgewiesene Hundelaufwiese aufsuchen. So nutzen Hunde die Wiese und streunen nicht unkontrolliert in dem Waldgebiet umher. Wenn auch die Tier- und Vogelwelt wenig Beobachtungsmöglichkeiten boten, so war das Erlebnis Dünenwanderung für etliche Teilnehmer ein neues. So nah am Wohnort wurde bisher diese Landschaft nur von wenigen wahrgenommen. Dass kleinräumige Schutzgebiete auch im dicht besiedelten Raum eine Überlebenschance haben,konnte naturnah erfahren werden.

Den Abschluss der Wanderung bildete die Einkehr in der Bahnhofsgasstätte Niederroden bei der die „Fachgespräche“ lebhaft fortgeführt wurden. Die Reihe der Naturwanderungen des NABU Rodgau wird am 19. Mai in Form einer Abendwanderung fortgesetzt. Auch hier sollen siedlungsnahe Kleinbiotope erkundet und zudem der abendlichen Vogelwelt gelauscht werden.

Wanderstrecke und Treffpunkt werden zeitnah in der Presse und auf der Internetseite des NABURodgau bekannt gegeben.