Chronik des NABU Rodgau - 1993-2003 Walter Weiland

Nachdem Wendelin Schüler den Vorsitz altersbedingt abgab, wurde Walter Weiland am 9. März 1993 erstmals zum Vorsitzenden gewählt. Wegen ihrer Verdienste um den Verein wurden Wendelin Schüler zum Ehrenvorsitzenden und Leonhard Eberhard zum Ehrenmitglied ernannt.

Eine Satzung war Voraussetzung für die Ausstellung der Gemeinnützigkeitsbescheinigung durch das Finanzamt. So wurde am 11. Mai 1993 die erste Vereinssatzung von der Mitgliederversammlung beschlossen. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 29. Juli 1993 beim Amtsgericht Seligenstadt, wodurch der Verein auch rechtsfähig wurde und Grundstücke kaufen konnte.

Vorsitzender Walter Weiland

In der Folgezeit wurden 3 Ackergrundstücke erworben und weitere angepachtet. Hier entstanden Mager- und Streuobstwiesen, die zahlreichen Pflanzen- und Tierarten als Rückzugsgebiete dienen und langfristig die genetische Vielfalt und Lebensqualität in Nieder-Roden erhöhen sollen.

Mit der Anmietung und dem Ausbau zweier ehemaliger Trafostationen der HEAG sollte der Vogel- und Fledermausschutz innerhalb der bebauten Gemarkungsfläche verbessert werden.

In den Jahren 1993 und 1994 konnte ein Gifteinsatz verhindert werden, als die Raupen des Schwammspinners erhebliche Fraßschäden verursachten und eine Bekämpfung mit Gift auch für unseren Wald in Betracht gezogen wurde. Dank rechtzeitiger Aufklärungsarbeit seitens der Naturschützer, an der sich auch die Ortsgruppe Nieder-Roden beteiligte, waren die öffentlichen Entscheidungsträger sensibilisiert. So wurden Gifte nur selten, im Nieder-Röder Wald gar nicht eingesetzt. Entsprechend der Voraussage der Naturschützer ebbte die Massenvermehrung schnell wieder ab.

Große Anstrengungen unternahm die Ortsgruppe zur Mitgliederwerbung. Durch eine vom Bundes- und Landesverband initiierte halbprofessionelle Mitgliederwerbung konnte der Verein seine Mitgliederzahl mehr als verdoppeln.

Zum 40-jährige Jubiläum im Jahr 1998 wurde eine informative Festschrift erstellt. Am 8.5.1998 wurde die Jubiläumsfeier mit der Ehrung verdienter Mitglieder und einem brillanten Diavortrag von Manfred Delpho im Bürgerhaus Nieder-Roden durchgeführt. Edgar Krausch wurde wegen seiner zahlreichen Verdienste um den Verein mit einem Buchpreis und einer Urkunde ausgezeichnet. Es folgte ein Naturerlebnistag zu dessen Anlass Förster Manfred Gerhard im Wald mit dem Festpräsidenten Landrat Josef Lach und dem Vorsitzenden zwei Wildbirnen, dem Baum des Jahres 1998 pflanzte. Am 20.10.1998 hielt der Landesvorsitzende Prof. Dr. Jaucker einen denkwürdigen Vortrag zum Abschuss von Rehen und Raben, der zudem mit dem provozierenden Titel „Lizenz zum Töten“ die gesamte Jägerschaft ins Bürgerhaus lockte und heftige Emotionen auslöste.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde als eine der wichtigsten Maßnahmen der Ortsgruppe die Gründung einer Kindergruppe angekündigt und im gleichen Jahr noch umgesetzt. Ein Werbefaltblatt wurde in allen Kindergärten und Grundschulen verteilt wurde. Daraufhin meldeten sich zur Gründungsversammlung am 24.10.1998 über 40 Kinder zum Mitmachen.

 Alois Legel wurde nach dem Abschied von Jakob Manus von der Ortsgruppe zum neuen Landschaftsbeobachter für die Gemarkung Nieder-Roden vorgeschlagen und daraufhin von der Stadt Rodgau ernannt.

Im Jahr 1999 konnte der Verein entscheidend daran mitwirken, die Erweiterung der Kiesabbaufläche am Kiessee zu verhindern.

Im gleiche Jahr wurde eine erste Homepage des Vereins erstellt.

Der Verein beteiligte sich an der internationalen Aktion „Lokale Agenda 21“ und entwarf unter Leitung von Armin Hönig von der Gruppe Dudenhofen und dem Vorsitzenden Walter Weiland ein Konzept zur Rodaurenaturierung und zur Schaffung eines Rodauparks. Wie bestellt, tauchte der Eisvogel an der Rodau auf, der allein durch seine Schönheit und sein Dasein für sich, seinen Lebensraum und das Agenda-Konzept warb. Mit Beschluss vom 6.11.2000 beauftragte die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Rodgau einstimmig den Magistrat, ein Konzept für die Umsetzung eines „Rodau-Parks“ vom Rollwald bis zur Tannenmühle in Weiskirchen unter Berücksichtigung der Agenda-Vorschläge zu entwickeln. Daraufhin wurden mehrere Abschnitte der Rodau renaturiert; im Übrigen wurde sie vorschlagsgemäß sich selbst zur Selbstmäandrierung überlassen.

Im Jahr 2000 wurde die Firma Ecoplan, ein Büro für ökologische Fachplanungen mit der Erfassung der noch vorhandenen Biotope im Bereich Dudenhofen-Süd und Nieder-Roden und der Planung der Anbindung an die bereits vorhandene städtische Biotopvernetzung beauftragt. Auf Grundlage der von Dr. Wolfgang Goebel erstellten Kartierung wurde in Gesprächen mit den Eigentümern, Landwirten und der Stadt versucht, möglichst viele der erfassten Grundstücke in ihrem derzeitigen Bestand zu erhalten oder in einen schutzwürdigen Zustand zu überführen.

In den folgenden Jahren wurden die Streuobstwiesen gepflegt und die Landschaftspflege insgesamt ausgebaut sowie die Vogelkartierung weiter verbessert. Mit der Hilfe der Feuerwehr konnte ein Korb für den Baumfalken am Kalksandsteinwerk aufgehängt werden.

Im Jahr 2001 wurde das erste Apfelkelterfest gefeiert, das wegen seines großen Erfolges zur ständigen Einrichtung wurde.

In den Jahren 2001 bis 2004 wurde das Vereinsdomizil „Vogelhütte“ mit WC und Abwasseranlage entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ausgestattet.